finetunes.net

Einen feinen Namen hat der Laden finetunes.net ja, aber ist er auch nett zu den Kunden?

Über finetunes

Seinen Ursprung hat finetunes bei den Independents und bietet denen nicht nur eine Webshop-Lösung sondern bündelt auch die Rechte der angeschlossenen Labels und vermittelt zu anderen Shops wie iTunes, Musicload, AOL etc. Laut Selbstdarstellung hat finetunes verstanden dass man die illegalen Downloads nur mit bequemen, einfachen legalen Downloads eindämmen kann. DRM ist für die Labels optional wird aber nur selten verwendet. Ist ja eh nur ein Geldfresser ohne viel Nutzen. Auch ansonsten werden dem Nutzer keine Einschränkungen auferlegt, man darf seine Privatkopie also haben. Auch vorbildlich ist der optionale Download als ogg-Datei. Zum Probehören braucht es den Macromedia Flash Player, für mich (unter Linux) sehr angenehm weil damit kein eigenes Programm startet. Nervig kann aber die Ladezeit werden wenn man nicht wie ich alle flash-Sachen abfangen lässt und manuell laden kann. finetunes fährt mehrgleisig, zum einen kann man auf das ganze Angebot über die Seite von finetunes zugreifen, zum anderen ist es für die Shops und Labels möglich ein eigenes Design einzubringen. Der Unterschied findet sich in der URL und ist dermaßen minimal dass ich vermute dass es nur ein paar Minuten dauert um einen neuen Shop zu haben. Gut versteckt findet sich in der FAQ noch der Hinweis auf die Kicklinks die man auf der eigenen Webseite einbauen kann und womit man dann 10% an den Verkäufen verdient. Beispiel: Aber hier leben, nein Danke von Tocotronic. Was in der FAQ leider fehlt ist der Hinweis dass man die Kicklinks nur über den Client zu Gesicht bekommt.

Der finetunes Client

Entweder es gibt auf der Welt zuviele gelangweilte Java-Programmierer, oder jede Seite braucht unbedingt einen Java-Client. finetunes hat einen, läuft natürlich auch unter Linux. Probleme hat die Software aber reichlich, Umlaute bei Songtiteln (ist auch auf der Webseite ein Problem), etwaiges HTML wird nicht rausgefiltert und der Songtitel wird zu stark verkürzt und nur tooltip ganz angezeigt, während manch anderes in den Tabellen zu lang ist. Ausserdem ist im Warenkorb nicht gleich erkennbar wie man einen Song auswählen kann. Aber das sind Kleinigkeiten. Wirklich unverständlich ist warum der Client erst bei mehr als 80 Credits eine Zahlung erlaubt und man erst nach Suchen auf die Idee kommt Credits zu erwerben. Immerhin erhält man beim Erwerb einer Familienpackung Credits einen kleinen Rabatt. Etwas fieselig ist die Auswahlbox mit Künstler, Labels etc. die man vielleicht mehrdimensional machen sollte (nach Anfangsbuchstabe sortiert). Verbesserungswürdig ist auch der Export der gekauften Songs, »Bandname - Titel.ogg« und nicht einfach nur der abgekürzte Songtitel. Das Export-Verzeichnis will sich der Client nicht merken. Ausserdem sollte man die Schriftgröße erhöhen können und neben den Credit-Preisen auch den Gegenwert in Euro sehen. Als kleine Extras bietet der Client eine Chartsübersicht die ich mir aber ein wenig vielfälter wünsche (z.B. nach Genre, Künstler oder gar Zeitraum). Das zweite Extra ist eine konfigurierbare Startseite, nur raus mit den faden Musikrichtungen ;-)

Musik-Angebot

Das Angebot beschränkt sich auf Independents was für mich persönlich mehr ein Vorteil ist. Grand Hotel Van Cleff, L'age D'or, Kitty-Yo, Kontor oder Piranha sind vertreten neben vielen kleinen Labels. Derzeitige Sub-Shops sind Ladotunes, bluerose, traumton, Nonplace und Wonder Records, aber auch die Spex hält in ihrem Shop die Empfehlungen bereit. Die Preisgestaltung ist den Shops selbst überlassen, Standard scheint bei 1,20 € zu sein jedoch sind beiden großen Stores bluerose und Ladotunes schon bei 0,96 € angelangt. Das liegt zwar immer noch weit über den »50-cent-und-gut« die von der c'T gezeigt wurden, aber die meisten Alben gibt es mit zum Teil ordentlichen Rabatt ab 9 €, 9,60 € ist der Standard. Größtes Hindernis ist hier bekanntlich die GEMA die mindestens 25 ¢ pro Download-Song will. Ich kann aber nicht sagen ob die Shops und Labels sich nicht auch am Boykott beteiligen. Ein wenig auf Vorreiter mach Ladotunes, die Mitte Januar erscheinende Single »Aber hier leben, nein Danke« gibt es dort schon seit Weihnachten.

Wunschliste

Ein paar Sachen hätte ich doch noch zu bemängeln: 1. Preise von 1,2 € sind bei kurzen Songs unverschämt teuer, aber der Trend nach unten ist vorhanden. Bei Preis sind die Labels gefragt und sollten mehr kreativität beweisen. 2. Rabatte sollten nicht nur per Album sondern, wie es in der freien Wirtschaft ist, über den Endpreis. Also bei fünf Songs kriege ich einen umsonst, bei 15 gleich vier umsonst. Gerne kann man aber auch den Gesamtpreis drücken so wie es bei PotatoSystem ist. Nur über den Client kann man beim Kauf von Credits zusätzlich Rabatt kriegen, aber das Geld gibt man ja gleich aus und erhält vielleicht erst später einen Gegenwert in Form von Musik. 3. Wer kann mir bei diesem Album die Fehler nennen? 4. Wenn ich in verschiedenen Shops einkaufe will ich nur einmal bezahlen.

Fazit

Eine sehr interessante Welt die finetunes da aufgebaut hat. Die Zahl der verfügbaren Labels ist mehr als ausreichend und wenn noch ein paar reine Netlabels hinzukommen können auch die Preise sinken. Was ich aber arg vermisse sind Zusatzinformationen zu den Künstlern, Alben und Tracks, über den Client kann man allerdings eine Rezession schreiben, müsst nur jeder auch tun. Ein paar Weblinks auf die Labelseite oder Plattentester würden mir schon reichen.

PotatoSystem

Gestern bin ich mal wieder auf das PotatoSystem gestoßen, hab es vor einem Jahr schon mal gesehen aber damals war es irgendwie noch uninteressant. Es scheint sich nicht viel getan zu haben, es gibt keinen vernüftigen Index an verfügbaren Musiktiteln und Anbietern ausser der Liste der Partner. Die Idee hinter Potato ist es einfach und bequem Musik anzubieten. Der Käufer erhält eine Musikdatei ohne DRM oder andere umständliche Schutzmechanismen. Der entscheidende Vorteil ist aber dass man die gekauften Musiktitel bewerben kann und gewissermaßen weiterverkaufen kann. Ein Schneeball-System in dem man auf der dritten Stufe immerhin noch 5% mitverdient. Wenn ihr also wollte könnte ihr auf meiner Benutzerseite die Musik erstmal Probe hören und dann kaufen. Die Preise setzt der ursprüngliche Einsteller (also Musiker oder Label) fest und sind eigentlich moderat genug. Und zu guter Letzt, Rabatte gibt es bei dem System auch noch. 5% ab 5 Euro. Wenn jemand noch andere Tracks und Seiten kennt die Songs über Potato anbieten dann bitte nur her damit.