750words.com
750words.com ist eine schöne kleine Anwendung die ich gestern über Paul Bohm gefunden hab. Hier ist mein Text von heute, und ja: so schreibe ich manchmal. Es wird sicher ein Spass jeden Tag was zu schreiben, und heute war’s im Stil eines Assoziations-Blaster. Es erinnert mich auch so schon an einen älteren Text
Es ist kurz nach Mitternacht, kalt, dunkel bis auf das spärliche Licht des Laptop das sich in seiner Brille spiegelt. Er liegt allein im Bett, auf den linken Ellbogen gestützt um besser die Tasten zu erreichen. Von der Straße kommt noch regelmäßiger Autolärm, erst in einer halben Stunde wird die letzte Bim gefahren sein und dann auch der restliche Verkehr sich auf ein Auto alle paar Minuten und den halbstündlichen Nachtbus reduzieren. Vom Pub im Erdgeschoss kommt noch viel Lärm, Stimmen, keine Musik mehr denn es war Pub-Quiz und nachdem der Quizmaster die Punktestände des Abends verlesen hat strömen die Glücklichen oder Unzufriedenen nach draußen. Auf die letzte Zigarette verzichtet man, dafür ist es dann doch zu kalt und man hat ja im Pub genug rauchen dürfen. Er geht nur alle paar Wochen für einen Cider hinunter, der Rauch ist ihm ein Greul und Grund genug sich lieber alleine zu betrinken in den eigenen vier Wänden die die Heizung nicht zu erwärmen vermag. Im Herbst wird er sich einen kleinen Kachelofen einbauen lassen, das sollte besser sein, so wie im Haus in dem er aufwuchs, nur halt kleiner. Er vermisst dieses Haus, erst recht in diesen Momenten wo er alleine im Dunkeln sitzt und schreibt oder vor sich hingrübelt. Vielleicht wird er aber morgen Abend doch nicht zuhause sitzen, auch wenn er nicht weiß ob er mehr als die 13 Euro in seinem Portmonai haben wird und ob er im Hackerspace überhaupt groß erwünscht ist. Natürlich haben ein paar doch geschrieben dass sie ihn vermissen werden als er sich vor einem Monat verabschiedet hat weil das alles zu viel geworden ist, zu viel schlechtes Timing und dann noch Streitereien und wenn er etwas nicht leiden kann dann dass man ein Projekt für unnütz und tot erklärt in das er doch so viel Zeit investiert hat. Zeit die ihm für’s Studium gefehlt hat, aber diesen Abschluss hat er nie gebraucht, nur das bisschen Theorie, dafür waren die Lehrveranstaltungen doch ganz gut. Theorie kann man sich leider nicht in der Praxis abholen, da muss man sich hinsetzen, klugen Menschen zuhören die das alles schon mal länger durchdacht haben, vielleicht ein Buch geschrieben haben darüber oder zumindest eine Publikation in einer Fachzeitschrift. Theorie muss man lernen, mit dem Verstand, nicht mit den Händen. Er hat immer schon lieber mit den Händen gelernt, die Welt begreifen wollen nicht bedenken. Bedenken hat er oft welche, Skrupel immer und Rücksicht nimmt er auch auf fast Alles und Jeden, auch wenn er nicht Alles und Jeden leiden kann. Die Toleranz muss man schon haben sagt er immer und hat damit wahrscheinlich auch recht. Von Ordnung hält er nicht viel, wenn dann nur Ordnung durch Chaos, lauter Schubladen die groß sind, so groß dass man schon wieder einen Schrank hineinstellen könnte. Schubladendenken wird da überflüssig, zerfließt, breitet sich am unendliche weiten Boden der Lade aus und was in einem kleineren Schrank bis über den Rand schwappen würde das ist hier nur ein dünner Film. Auch die lagert er in seiner Schublade, wobei es sind ja doch zwei dieser hölzernen Archive seines Lebens, in der einen seine Kleidung und in der anderen eben seine Filme, vier Jahre seines fotografischen Schaffens, wild durcheinander weil ohne so große Sorgfalt würde das Chaos ja zusammenbrechen hat er einmal irgendwo gelesen, wahrscheinlich ein Pratchett-Roman, sein Lieblingsautor auch wenn er manchmal ein halbes Jahr für einen Roman von ihm braucht. Das Pratchett ihn braucht bezweifelt er, oder vielleicht doch? Was ist ein Autor ohne Leser? Nur noch der Umschlag, Titel und belanglose Grafik oder Fotografie auf der Vorderseite, rückseitig ein Bild mit nichts sagendem Text zum nichtgelesenem Inhalt der sich eigentlich zwischen Vorder- und Rückseite dieses Buches befinden sollte, aber wenn es niemand ließt woher weiß man dann dass dort wirklich ein Roman, eine Geschichte, ein Text drinnen steckt. Würden solche Fragen überhaupt gestellt werden oder würden sie nicht sowieso beantwortet noch bevor sie gestellt werden weil ja vorher doch jemand das Buch aufschlägt und erstmal drin blättert bevor die Geschichte gelesen wird, von einer fremden Weltdie flach wie eine Scheibe ist, auf ein paar gigantischen Säugetieren ruht, die wiederum auf einem gepanzerten Wesen aus der Urzeit der Evolution stehen. Eine fremde Welt, doch so vertraut, nah und erstrebenswert durch ihren Humor und Zynismus der die eigene Welt viel besser darstellt weil all das langweilige Zeug aus dem Fernsehkasten dort nicht existiert und die Gedanken der Menschen verdreckt. Er hat ja schon lange keinen Fernseher mehr weshalb er abends immer alleine im Dunkeln sitzt.